Leserbrief im Tölzer Kurier, veröffentlicht am Freitag, 28.11.2025
Wir haben großes Verständnis für die Tatsache, dass der Bichler Gemeinderat sorgfältig mit den verfügbaren Mitteln umgehen muss. Diese Verantwortung ist nicht leicht. Dennoch sehen wir im jüngsten Beschluss nicht eine gelungene Einsparung, sondern vielmehr eine vertane Chance. Die Stelle eines Quartiersmanagers wäre über mehrere Jahre hinweg mit bis zu 80.000 € gefördert worden – eine Unterstützung, die man nicht leichtfertig ausschlagen sollte.
Mit Kopfschütteln haben wir in der Sitzung, in der wir als Zuhörer anwesend waren, den Vorschlag zur Kenntnis genommen, dass man zunächst „ehrenamtlich anfangen“ solle, um dann zu prüfen, ob die Stelle notwendig sei. Seit zwölf Jahren versucht die Nachbarschaftshilfe Zammlebn, genau diese Aufgaben ehrenamtlich zu stemmen – mit großem Einsatz, aber auch mit klaren Grenzen. Wir können heute aus dieser Erfahrung sagen: Allein ehrenamtlich schaffen wir es nicht. Es geht um komplexe Beratungs- und Vernetzungsaufgaben für ältere Menschen, die Sorgen haben, Probleme nicht mehr allein lösen können oder schlicht niemanden haben, der sie begleitet.
Wir erleben in unserer Tätigkeit Menschen, die nicht in eine stabile Familie oder eine funktionierende Nachbarschaft eingebettet sind. Und wir begegnen Angehörigen, die in ihrer Sorge über die pflegebedürftigen Angehörigen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. Diese Gruppen zu unterstützen, Angebote zu verknüpfen, weitere ehrenamtliche Hilfen und Angebote aufzubauen und verlässliche Strukturen zu schaffen – genau darin hätte ein Quartiersmanager bzw. eine Quartiersmanagerin eine Schlüsselrolle einnehmen können.
Wenn gesagt wird, Bichl sei sozial gut aufgestellt, ist das grundsätzlich sicher richtig. Dennoch erleben wir in unserer Arbeit die Lücken zwischen den vorhandenen Angeboten. Zudem ist demografische Wandel eindeutig: Die Zahl der älteren Menschen steigt, während die Zahl der Pflegekräfte sinkt. Diese Diskrepanz muss man ernst nehmen – sie wird sich nicht von selbst auflösen.
Wir hoffen nun sehr, dass diejenigen Gemeinderäte, die zwar den Bedarf gesehen haben, aber das konkrete Fördermodell abgelehnt haben, nun aktiv nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Denn der Bedarf bleibt und wird in den kommenden Jahren eher wachsen als schrumpfen.
Diakon Hubertus Klingebiel, Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe Zammnlebn e.V.

Die Fachstelle für pflegende Angehörige der Caritas bietet regelmäßig eine Außensprechstunde in Benediktbeuern an.
Immer am letzten Mittwoch im Monat von 9 bis 12 Uhr können sich pflegende Angehörige und Seniorinnen und Senioren im Dietrich-Bonhoeffer-Haus individuell beraten und unterstützen lassen.
Die Fachstelle bietet ein umfassendes Angebot an Beratung, Begleitung, Entlastung, Schulungen und Veranstaltungen - speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse pflegender Angehöriger und Senioren.
Eine Anmeldung vorab unter der Telefonnumme 0 80 41 7 93 16-103 oder per E-Mail an [email protected] ist erwünscht.

Mitarbeitende von EON unterstützen Zammlebn
Mit einer Spende in Höhe von 3.000 Euro unterstützt der Hilfsfonds Rest Cent der Mitarbeitenden des E.ON-Konzerns in Deutschland, zu dem auch die Bayernwerk AG (Bayernwerk) gehört, den Verein „Zammlebn Nachbarschaftshilfe Benediktbeuern-Bichl“.
Es sind stets Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des E.ON-Konzerns, die Vorschläge dafür machen, welche Vereine und Institutionen mit Spenden aus dem Hilfsfonds Rest Cent bedacht werden. Im Fall der Nachbarschaftshilfe Benediktbeuern-Bichl war das Bayernwerk-Mitarbeiter Florian Hültl. „Es hat uns tief beeindruckt, wie vielfältig das ehrenamtliche Engagement der Nachbarschaftshilfe ist“, sagt Sabine Voit, stellvertretende Vorsitzende des Bayernwerk-Betriebsrats für Oberbayern. „Genau ein solches soziales Engagement unterstützen wir von Herzen gerne!“



„Menschen in Bewegung“ – Vortrag zur Ausstellung in der Marienkirche
Rund 20 interessierte Personen sind zum Einführungsvortrag gekommen.
In seiner Begrüßung stellte Ignaz Dreyer, Zammlebn-Vorstandsmitglied und Bindeglied zur Steuerungsgruppe des Helferkreises, die aktuelle Situation in Benediktbeuern und Bichl vor, insbesondere die länger schon angekündigte gemeindliche Planung einer Container-Unterkunft mit 80 Plätzen für Flüchtlinge/ Asylbewerber in Benediktbeuern. Für Bichl sind keine genaueren Planungen bekannt. Derzeit ist allerdings festzustellen, dass sich die Ankunft neuer Geflüchteter aufgrund des August-Hagelereignisses wohl bis Januar 2024 verschieben wird. Seitens der Gemeinden besteht die Hoffnung, vielleicht sogar Erwartung, dass sich dann über den Helferkreis neuerlich Hilfsangebote entwickeln.
Die über die Friedrich-Ebert-Stiftung Bayern beauftragte Referentin Sophia Garczyk führte durch ausgewählte Migrationsthemen, bei denen sie immer wieder zum Dialog ermunterte. So wurden vom Publikum auf Befragung hin spontan viele plausible Fluchtgründe genannt. Recht bald wurden alle eingeladen, die Ausstellungs-Tafeln in der Seitenkapelle der Marienkirche einmal/nochmal eine halbe Stunde lang aufmerksam zu betrachten.
Im Anschluss ging die Referentin schwerpunktmäßig auf den Klimawandel als Fluchtgrund ein. Was tun, wenn Deine Lebensgrundlagen zerstört werden? Extremwetterereignisse wie Stürme, Hochwasser, Dürren und langfristige Veränderungen zwingen Menschen in vielen Regionen dieser Welt, ihre Heimat zu verlassen. Frau Garczyk verwies dabei auch auf die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951. Darin ist wirtschaftlich begründete Migration kein Asyl-Anerkennungsgrund. Sollte die Konvention weiter als eine Grundlage für Migrationssteuerung aufrechterhalten bleiben? Die Frage blieb an diesem Abend offen.
Überhaupt referierte Sophia Garczyk die ausgewählten Ausstellungsthemen in einer wohltuend nach-denklichen, differenzierten und kompetenten Art. Die Besucherinnen und Besucher konnten viele Fragen stellen, sich austauschen und hoffentlich ermutigt in ihrer Grundhaltung nachhause gehen.
Wir werden recht bald viele Unterstützer/innen mit Ihren Möglichkeiten brauchen, um das neuerliche Ankommen von Flüchtlingen/Asylbewerber/ innen für alle im Gemeinwesen erträglicher, vielleicht sogar erfolgreicher anpacken zu können!
Ignaz Dreyer
Die Gemeinde-/Pfarrbücherei BB hat zur Ausstellung einen Büchertisch vorbereitet. Hier können Sie ab morgen zu deren Öffnungszeiten vielfältigen Lesestoff für Kinder, Jugendliche und Erwachsene rund um Migration und das Zusammenleben von Kulturen finden. Herzlichen Dank an dieser Stelle besonders an Christine Trischberger.
Wer bisher dort keine Leseberechtigung hat, kann von diesem Büchertisch auf den Verein Zammlebn ausleihen!






